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Sopwith 5F.1 Dolphin

von Frank Barkhofen (1:48 Copper State Models)

Sopwith 5F.1 Dolphin

Ein weiteres Modell des laufenden Jahres aus meiner Werkstatt ist eine Sopwith Dolphin in 1:48, wie sie mit der Seriennummer C3799 von Capt G.B. Irving, einem kanadischen Piloten, geflogen wurde.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Die Sopwith Dolphin war eine der späten Konstruktionen und war als Nachfolger der Camel konzipiert. Der Antrieb erfolgte durch einen kräftigen 8-Zylinder-V-Motor Hispano-Suiza, wobei Zuverlässigkeitsprobleme insbesondere mit dem Untersetzungsgetriebe zu einer Verzögerung des Programms führten. Dabei gab es viele Motorhersteller und Varianten, auch andere britische und französiche Flugzeugtypen hatten einen Antrieb auf dieser Basis, genannt seien SE.5a und die SPADs. Bis zum Ende des Krieges wurden über 2.000 Flugzeuge gebaut, aber leider hat keine komplette Maschine die Zeiten überdauert. Bei Wikipedia gibt es natürlich auch einen Eintrag.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Die Dolphin hat durch ihre negativen Staffelflügel - die untere Tragfläche ist weit vor der oberen angeordnet - ein uriges Aussehen, war aber bisher als Spritzguß in 1:48 nur einmal von Blue Max erhältlich. Daher freute es mich sehr, daß Copper State Models diesen Typ 2016 aus neuen Formen auf den Markt brachte.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Kurz nach Erscheinen des Bausatzes der Sopwith Dolphin habe ich diesen in der inzwischen vergriffenen Premium-Edition erworben. Diese Variante enthält neben dem normalen Bausatzinhalt einen Resinmotor des Hispano-Suiza, fantastische aus Metall gegossene (inklusive Alterung!) Metallauspuffrohre und einen größeren Decalbogen mit zwei weiteren darstellbaren Maschinen. In der normalen Version ist kein Motor enthalten, sondern teilweise modellierte Zylinderblöcke werden direkt in die Verkleidung geklebt und ein Platte mit einem Luftschraubenstift verschliesst die Front.

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Ein Bogen mit etwa 100 Ätzteilen in wunderbarer Ausführung ist in jedem Fall erhalten. Einige Teile stellen die Metallverbinder und Verspannungshalter des Holzrahmens im Rumpf dar, was ich in dieser Art in 1:48 auch noch nicht gesehen habe. Auch für die Verspannung der Tragflächen sind Ätzteile enthalten und werden zwischen Streben und Tragflächen eingesetzt - eine sehr durchdachte Lösung.

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Sopwith 5F.1 Dolphin

 

Die Sopwith Dolphin ist ein toller Bausatz, gerade wenn man bedenkt, daß es der erste Spritzgußbausatz dieser Modellbaufirma aus Riga ist. Allerdings ist mir im Vergleich mit den Zeichnungen ein arg breitbeiniges Fahrwerk aufgefallen. Die Teile sind mit den angespritzten Federgummis schön detailliert, aber der untere Achsenträger ist zu breit und die Achsen haben statt einer geschwenkten Halbachse einen Knick außen, damit die Räder eingefedert schräg stehen - ein Tribut an die Spritzgußtechnologie. Wenn man den Achsenträger kürzer feilt, gehen die schönen Details verloren und dadurch stehen die Streben senkrechter und werden zu lang. Das endete dann so, daß ich ein komplett neues Fahrwerk aus Messingstreben, Holz/Metallachshalter und Neusilberachsen gebaut habe.

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Den Hecksporn habe ich ebenfalls durch Echtholz ersetzt und mit Metallteilen vervollständigt. Apropos Holz, auch die acht Tragflächenstreben wurden aus Buchsbaumholz neu angefertigt und eine zu dieser frühen Dolphin passende Luftschraube aus Holz geschliffen. Diese bekam noch zusätzliches Metall an der Nabe und das Ätzteil des Kits wurde mit 0,2 mm Neusilber "verbolzt".

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Sopwith 5F.1 Dolphin

 

Unter die relativ großen Aussparungen der Fronthaube habe ich noch den Constantinesco-Unterbrecher gebaut, samt Leitungen und Zahnradimitationen zur Luftschraube. Dieser hat hydraulisch, mit höherer Feuerrate als mechanische Lösungen, die Luftschraube mit den Vickers MGs synchronisiert. Ohne die fantastischen Dokumentationen des Originals wären diese Details nicht möglich gewesen.

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Apropos Referenzen, hier hatte ich neben dem passenden Windsock Datafile 54 noch ein Buch, publiziert von Cross & Cockades in Zusammenarbeit mit dem RAF Museum Hendon, erworben. Dieses ist im Rahmen der Fertigstellung der einzigen existierenden Museums-Dolphin entstanden, einem Nachbau mit Originalteilen. Mit 178 A4-Seiten sehr umfangreich, es enthält tolle Fotos und Zeichnungen, auch aus Wartungsunterlagen, farbige Profile, Farbfotos aus dem Aufbau der Museumsmaschine, und listet alle bekannten Information über jede einzelne Maschine, nach Seriennummern geordnet, und deren Piloten auf. Das Handbuch des Bausatzes hilft wie immer, aber bei Fragen zu einzelnen Details habe ich auch mal im Handbuch des Dolphin-Bausatzes von WingNutWings nachgeschlagen. Beide Handbücher sind übrigens in einem ähnlichen Stil gedruckt.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Ursprünglich wollte ich eine Lackierung der Premium-Edition bauen. Als Preis eines Group Builds bekam ich das Sopwith Snipe & Dolphin Decal-Set von Pheon. Da ich bekannterweise diese bunten Kisten mag, änderte ich meinen Plan in den Bau der C3799 mit blauer Motorverkleidung, Rumpfrücken und Leitwerk. Die Farbgebung ist in einem überlieferten Brief des Piloten Capt Irving an seine Angehörigen beschrieben. Auch ist diese Maschine in meiner dritten Quelle "Dolphin and Snipe Aces of World War 1" (Nr. 48 der Reihe "Osprey Aircraft of the Aces") belegt und in einem farbigen Dreiseitenriss dargestellt. Dieser Group Build war übrigens auch die Ursache für die längere Pause beim Bau, nachdem ein Großteil der Arbeiten bereits 2018 erledigt worden waren.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Ausgetauscht habe ich auch die Vickers MG durch Zubehör von Gaspatch, da mir insbesondere die geschlossene Darstellung von Kühlmantel und Mündung nicht gefiel. Bei diesem Flugzeugtyp sind sie auch am fertigen Modell gut sichtbar. Allerdings erschwert das die Montage ungemein, da es zu massiven Konflikten mit vielen anderen Teilen führt. Manche Dolphin waren neben den beiden standardmäßigen Vickers auch mit zwei schräg nach oben feuernden Lewis MGs ausgestattet, mit weiteren Magazinen dafür unter dem Sitz. Capt. Irvings Maschine war nur mit einem davon, auf der rechten Seite, ausgerüstet. Auch diese Ausführung habe ich im Zubehör von Gaspatch Models gefunden. Statt den geätzten Sitzgurten aus dem Kit habe ich die fantastischen Stoffgurte (mit Ätzteilen für die Beschläge) von HGW Models eingebaut. Der gelochte Vorderteil davon sieht wirklich aus wie Leder.

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Für die im Original eingesetzte Verspannung mit "RAF wires" (das sind keine Stahlseile mit Spannschlössern, sondern aerodynamisch geformte flache Stahlstangen mit Gewinden an den Enden) benutzte ich das ovale EZ-line und die neuen passenden "Terminals", also Befestigungspunkte aus Resin von Gaspatch Models aus Griechenland.

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Grundiert wurde das Modell wie üblich mit Alclad, deren Metallfarben ich auch für die Darstellung von Motor und Metallteilen benutzt habe. Das kräftige Blau ist von Gunze, passt zum Blau der Kokarden, und für die braungrüne Außenfarbe PC10 (steht für Protective Covering) kam die Farbe "PC10 late" von Mr. Paint zum Einsatz. Die leichte Alterung erfolgte mit Pastell- und Ölfarben. Einen detaillierter Build log gibt es hier.

Sopwith 5F.1 Dolphin

Fazit

Auch wenn ich einige kleine Änderungen vorgenommen habe, ist das ein sehr gelungener Bausatz von Copper State Models. Auf das Erstling-Spritzgußprodukt dieser Firma folgten weitere tolle Modelle dieser Zeit, z. B. die Armstrong Whitworth F.K.8 und Caudon G.IV, denen ich mich auch noch widmen werde.

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Sopwith 5F.1 Dolphin

 

Frank Barkhofen

Publiziert am 19. September 2020

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