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Sud Aviation Caravelle

OY-KRD „Ulf Viking“, SAS

von Roland Sachsenhofer (1:100 Revell)

Sud Aviation Caravelle

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ heißt es so assoziativ wie schön bei Heinrich Heine, in einem weit gespannten Bogen kann man das auch für das vorliegende Flugzeug in Anspruch nehmen. Die Sud Aviation Caravelle markiert für die Zivilluftfahrt so manchen Anfang und, so darf ich etwas pathetisch sagen, steht auch am Anfang meiner eigenen Begeisterung für Flugzeuge.

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Wie aber steht es mit dem innewohnenden Zauber? Nun ja, ihn kann man in beinahe allen Beschreibungen der Caravelle direkt oder zwischen den Zeilen herauslesen. Dies hat auch durchaus seine Gründe, wie noch zu schildern sein wird.

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Zum Vorbild

Aber beginnen wir beim Anfang: die SA Caravelle war zwar nicht das erste, aber eines der ersten strahlgetriebenen Passagierflugzeuge, das in Liniendienst ging. Den Ruhm, der erste Passagierjet gewesen zu sein, musste sie sich nur mit der De Havilland DH 106 Comet teilen, mit der sie übrigens auch sonst so manches verband.

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Um die Entwicklung der mit einer Druckkabine ausgestatteten Caravelle zu beschleunigen und auch, wie man damals zumindest noch glaubte, sicherer zu machen, wurde die gesamte Bugsektion inklusive des Cockpits der Comet mehr oder minder unverändert übernommen. Auch bei der endgültigen Wahl des Triebwerks konnten die bei der Comet gemachten Erfahrungen helfen.

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Ursprünglich war der Einbau von drei französischen SNECMA Atar Triebwerken vorgesehen, dies wurde aber später zugunsten der Verwendung von Rolls & Royce Avon abgeändert. Die britischen Triebwerke waren nicht nur leistungsstärker und erlaubten so die Reduktion auf zwei Aggregate, sondern wurden auch durch deren langjährigen Einsatz als verlässlicher als die französischen Neuentwicklungen angesehen.

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Die Caravelle setzte durch die neuartige Anbringung der Triebwerkszellen am Rumpfheck neue Maßstäbe. Die Avon-Turbinen konnten hier nicht nur optimal arbeiten, sondern hielten auch Tragflächen und Rumpf aerodynamisch vorbildlich sauber. Ein wesentlicher ästhetischer „Zauber“ geht bei der Caravelle von ihrer so eleganten wie formschönen Linienführung aus, die eben wesentlich auf diese geniale Platzierung der Turbinen zurückgeht.

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Die aerodynamische Sauberkeit verhalf der Caravelle allerdings nicht nur zu einer eleganten Erscheinung, sondern sorgte auch für eine hohe Wirtschaftlichkeit. Die Caravelle war als ein ausgezeichneter Gleiter bekannt: mit völlig zurückgefahrenen Triebwerken erreichte man die Gleitzahl 20. Der Vergleich verdeutlicht die Qualität dieses Wertes: die Boeing 707 brachte es auf 17 bis 18, die Super Constellation auf 13 bis 14.

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Was eine derart famose Gleitzahl konkret und in Zahlen bedeuten konnte, soll folgendes Beispiel illustrieren: Bei einem Testflug am 16. April 1959 wurde, nachdem um 14:03 über Orly eine Höhe von 12.000 Metern erreicht worden war, die Triebwerke zurückgefahren und Kurs Südost auf die Stadt Dijon genommen. Nach eineinhalb Stunden Gleitflug wurde die Stadt um 15:00 in einer Flughöhe von 1.600 Metern überflogen. Erst bei 900 Metern wurde die Triebwerksleistung wieder hochgefahren, um wenig später am Flughafen der Stadt zu landen. Der Start zu diesem Flug erfolgte, nebenbei gesagt, zu Testzwecken mit nur einem Triebwerk. Die Caravelle schaffte dies ohne Probleme und mit Bravour.

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Diese Informationen habe ich übrigens dem 2006 erschienen Buch „Caravelle. Willkommen an Bord einer Legende“ von Pascale Monmarson-Frémont und Veronique Damas-Peyraud entnommen, das ich jedem an der Sache Interessierten nur wärmstens empfehlen kann.

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Die Ausschreibung, die zur Caravelle führen sollte, wurde 1951 ausgegeben, schon fünf Jahre danach, am 25. Mai 1956, erfolgte der Erstflug des ersten von zwei gebauten Prototypen. Zu den Kunden der ersten Stunde zählte natürlich die Air France, welche die Caravelle ab 1959 im Liniendienst einsetzte. Zu den weiteren Haltern, welche in größerer Stückzahl bestellten, reihten sich die skandinavische SAS sowie Alitalia mit je 21 Maschinen.

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Daneben wurde die Caravelle von zahlreichen europäischen und auch außereuropäischen Fluggesellschaften geflogen und blieb bis Mitte der 70er Jahre ein vertrautes Bild auf den Flughäfen der Welt. Wie populär die Caravelle im Laufe ihrer Karriere geworden war und welches Renommee Frankreich mit diesem erfolgreichen Entwurf verband, zeigte sich 1961 mit den Plänen einer „Super-Caravelle“.

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Über viele Zwischenschritte sollte daraus die französisch-britische Gemeinschaftsproduktion des überschallschnellen Passagierflugzeugs Concorde werden. Die Concorde hatte mit der Caravelle natürlich nichts mehr gemein, die Namensgebung belegt aber, wie sehr der Name Caravelle zum Synonym für ein erfolgreiches und weltweit bekanntes Passagierflugzeug geworden war.

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Mein Modell zeigt mit der SA Caravelle „Ulf Viking“ OY-KRD eine der 21 bei der Scandinavian Airlines / SAS geflogenen Caravelle. Der Typ wurde ab 1959 bei SAS geflogen, die Caravelle war neben der DC-8, die 1960 beschafft wurden, das erste strahlgetrieben Muster dieses Halters.

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Zum Bausatz

Die Markierungen für die „Ulf-Viking“ stammen aus der Schachtel des 2007 von Revell wiederaufgelegten Bausatzes. Der umfangreiche und wirkliche tolle Decalbogen, der auch die Gestaltung einiger Maschinen der Swissair ermöglicht, ist dabei der einzige zeitgenössische Bestandteil des Bausatzes.

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Die Plastikteile stammen original aus den frühen Sechzigerjahren; Layout und Ausführung der Spritzlinge lassen daran keine Zweifel. Stolz zeigt eine Prägung an einer nicht einsehbaren Stelle der Bauteile für die Tragflächen das das Herstellungsdatum und damit sein bemerkenswerte Alter: 1961.

Die Teile stammen also aus der Zeit, wo die originale Caravelle gerade die Herzen von Passagieren wie Fluggesellschaften zu gewinnen begann.

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Die Auslegung der Teile ist zeitspezifisch, der gewählte Maßstab originell: 1:100 erklärt sich anscheinend aus der genormten Schachteilgröße, in die die Flugzeugteile passen mussten. Da diese Umstände die Darstellung eines angemessen gestalteten und detaillierten Fahrwerks zu einem reinen „scratch-Bau“ gemacht hätten, habe ich mich entschlossen, die Caravelle im Flug darzustellen. Diese Entscheidung fiel umso leichter, als so die formschönen Linien dieses Klassikers umso besser zu sehen sein würden.

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Der Bau war im eigentlichen Sinne nicht kompliziert, erforderte aber, wie die Baufotos ahnen lassen, ein wenig Improvisier-Geschick. Die Antennen wurden nachgebaut, alles andere entstammt – im Kern - dem Bausatz.

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Am Anfang habe ich einen eigenen biographischen Bezug angekündigt, den ich nicht schuldig bleiben möchte. Anfang der 1970er Jahre, als ich noch als Kind die Modellbaubemühungen meines älteren Bruders als geduldeter „Beisitzer“ mitverfolgt habe, war dieser Bausatz der Caravelle eine der ersten Begegnungen mit einem Flugzeugmodell. Ich kann mich noch erinnern, mit welcher Freude ich das Entstehen der eleganten Formen verfolgt habe - eine Freude, mit der die wachsende Begeisterung für Flugzeuge aller Art gezündet hat! Dieses Modellbauprojekt hat mir also nicht nur das Modell eines wirklich schönen Flugzeugs in die Vitrine gezaubert, sondern auch an den Anfang meiner Modellbaubegeisterung zurück gebracht - und dem wohnt für mich auch heute noch ein Zauber inne, ganz gewiss!

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Wenn Ihr Euch selbst ein Bild vom Bausatz und dem Bauprozess machen möchtet, kommt Ihr hier zu einem ausführlichen Baubericht auf „Scalemates“. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro.sachsenhofer@gmx.at

Roland Sachsenhofer

Publiziert am 21. Januar 2021

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